Sam im Krankenhaus

Wie ich bei Facebook bereits erwähnt habe, wollte ich mir die Tage im Krankenhaus noch von der Seele schreiben. Den Blog führe ich ja eigentlich nicht nur, weil er spaß macht, ich gerne mit anderen Eltern in Kontakt bin sondern auch, weil er mir sehr viel hilft Gedanken einzufangen und aufzuschreiben die in meinem Kopf umherschwirren. Dazu gehören eben auch Dinge, die nicht so rosig sind.

Am Sonntag Abend ist mein kleiner Sohn ziemlich schwer gestürzt und dabei übel mit dem Kopf aufgeschlagen. Immer wenn Jemand erzählte „Mein Kind ist von der Wickelkommode gestürzt“ dachte ich mir, wie kann denn sowas gehen? Passen die denn nicht auf?“ und nun wurde ich eines besseren belehrt (Sammy ist übrigens NICHT von der Wickelkommode gefallen. Zum Schutze der Person, der das Unglück wiederfahren ist möchte ich aber nicht weiter darauf eingehen). Wir sind nicht perfekt. Kein Moment kann 100%ige Sicherheit versprechen. Mein Sohn schlug also auf den Boden auf. Ich hörte nur den dumpfen Aufprall und das sofortige Schreien meines Kindes (ein verdammt GUTES Zeichen!). Sofort entfuhr mir ein lautes „SCHEIßE!“ und ich sprang auf um zu meinem Kind zu gelangen. Er war bereits knallrot im Gesicht, ich nahm ihn aus den Armen von Papa, beruhigte und küsste ihn. Beobachtete ihn. Er atmet. Er schreit. Er weint. Er bewegt sich normal. Flimmern seine Augen aufgeregt hin und her? Merken! Mir war sofort bewusst, dass irgendwas komisch ist. Gehirnerschütterung? Krankenhaus anrufen und bescheid geben, dass wir kommen. Wir haben ihn nicht umgezogen. Im Schlafanzug sind wir also los. In der Bahn ging es dann los: er hat mehrmals gebrochen. Ich hielt sein Gesicht nach unten und lagerte seinen Körper auf meinen Beinen. So konnte er erbrechen ohne große Mühen zu haben. Ich achtete darauf, dass er noch gut atmen konnte. Ich hatte schreckliche Angst, war aber unfähig zu weinen. Das Kind muss schnell ins Krankenhaus!

Im Krankenhaus war Sam schon völlig benebelt, müde und wollte nur noch schlafen. Im Film dürfen die Leute nicht schlafen! Was machen wir nun? Ihn wach halten? „Erweckbar sollte er sein“ sagte die Krankenschwester. Also durfte er schlummern. Ich wusste im Inneren bereits, dass er wohl eine Gehirnerschütterung hat. Ich hatte auch einmal eine … er wies die selben Symptome auf (dazu am Ende mehr). Als wir dann ENDLICH dran kamen musste ich erzählen was passierte, das schnürrte mir irgendwie auch die Kehle zu. Denken die jetzt, wie würden unser Kind misshandeln? Wie muss das auf die Ärzte wirken? Mir war auch klar, dass er nach solch einem Sturz auch im Krankenhaus bleiben muss. Als der Arzt auch dieses verkündete und das er ihm einen Zugang legen müsse, damit er nicht dehydriert musste ich den Raum verlassen und Papa mit Söhnchen dort lassen. Mein Damm war endlich gebrochen. Ich fing an zu weinen. Zitterte am ganzen Leib. Ich machte mir so schreckliche Vorwürfe. „Hätte ich ihn dochnicht.. Hätte ich doch verhindern können.. Warum, weshlab, wieso?“ oder „Wenn ich ihn doch in der Zeit was vorgelesen hätte…!“ aber all das HÄTTE und WENN und WÜRDE.. was bringt mir das? Es macht das Geschehen nicht rückgängig … und trotzdem brodelte es schwer in meinem Kopf. Mein Herz schmerzte. Musste dieser kleine Junge da im Zimmer vor mir einen Zugang gelegt bekommen. Hat dieser kleine Junge garantiert Schmerzen … was bringen ihm da meine Gedanken? Ich fasste also meine Gedanken zusammen, biss mir nervös auf die Lippen und betrat wieder den Raum. Stark für mein Kind. Stark für mich. Nachdem der Arzt uns erklärt hat, dass er am späten Abend noch ein CT ( weiß nicht mehr, ob es das war …) machen wird, am Morgen dann noch ein MRT und wir vermutlich noch zum HNO müssen, hat er uns nach oben entlassen. Die Station war sehr hübsch eingerichtet. Es waren Tiere an die Wände gemalt und die Zimmer sahen auch nicht so bösartig nach Krankenhaus aus. Das machte die Sache allerdings auch nicht besser. Übernachten durfte leider nur ich. Warum verdammt nochmal? Wir sind beide Erziehungsberechtigt und im Zimmer ist genug Platz! Herr Gott. Mein Kind hat gerade den schlimmsten Sturz seines Lebens hinter sich, ich bin mega aufgelöst … da braucht die Familie sich gegenseitig! Was ist? Papa muss gehen und Mama bleibt alleine in einem dunklen Zimmer mit dem schlafenden, verletzten Kind zurück. Mein Schmerz hallte so laut in mir, er schrie förmlich und niemand war da um mich zu trösten. Mein Kind ist mein Ein und Alles. Die Liebe meines Lebens. Die Angst hat mich fast aufgefressen, warum also durfte mein Freund die erste Nacht nicht bei uns bleiben? Welch schlimme Vorwürfe musste er sich machen und nun ist auch er damit alleine ….! Er hätte zwar gegen ein Entgeld da bleiben können, aber sowas konnten wir uns natürlich nicht leisten …

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Die Ergebnisse des CT und MRT kamen dann zeitgleich an: Keine Brüche, nichts zu erkennen außer der Prellung und eine leichte Wasser Ansammlung am Felsenbeinknochen (oder so). Sammy konnte allerdings nicht richtig laufen, er kippte ständig nach rechts, selbst im Sitzen. Also HNO besucht. Nichts mit den Gehörgängen. Physio besucht. Nichts körperliches. Also entweder sitzt der Schreck recht tief oder der Schlag auf den Kopf musste so schwer gewesen sein, dass eine leichte Gleichgewichtsstörung eintrat und diese erst einmal wieder zurück finden muss. Evtl. auch noch Schmerzen.

Im Grunde hatte also ein Schutzengel über Sam gewacht und ihn davon kommen lassen. Ich war wahnsinnig aufgebracht und als ich die guten Nachrichten hörte, schepperten ALLE Steine von meinem Herzen. Nun muss ich nur noch damit kämpfen, dass ich die Person  nicht mehr mit unserem Kind alleine lassen will. Ich vertraue der Person nicht mehr. Habe angst. Es tut auch gleichzeitig weh. Denn der Person zu misstrauen ist nicht einfach. Ich weiß, dass sie es nicht absichtlich tat … aber es ist passiert und es hätte wirklich schlimm ausgehen können. Ja, es hätte auch mir passieren können. Ich denke es braucht seine Zeit … so wie Sammy wieder lernen muss normal zu laufen muss ich wieder lernen meine Angst zu überwinden und der Person mit meinem Sohn wieder normal umgehen lassen. Den Beitrag zu schreiben viel mir übrigens nicht sehr einfach, dadurch sind die Ereignisse auch immer wieder hoch gekommen. Es ist also ein wahnsinnig emotionaler Beitrag für mich.

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Da sowas wirklich jedem passieren kann möchte ich euch noch ein paar Hinweise liefern, woran ihr eine Gehirnerschütterung erkennt. Bitte geht auch immer bei Stürzen auf den Kopf zum Arzt. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig!

  • Bewusstlosigkeit
  • Bewusstseinsstörung
  • Gedächtnislücken
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schwindel
  • Licht – und Geräuschsempfindlichkeit
  • Schlafstörungen

Sicherlich gibt es noch andere Hinweise. Aber das sind die gröbsten. Als das Erbrechen bei Sam einsetzte, wusste ich auch sofort, dass es definitv eine Gehirnerschütterung ist. Ich war wirklich froh, dass wir sofort ins Krankenhaus gefahren sind. Wenn das Kind erbricht, haltet sein Gesicht nach unten, damit auch alles raus kommt, aber bitte nicht Kopfüber halten! Diese Hinweise ersetzen keinen ärztlichen Rat!

Mittlerweile geht es meinem kleinen Knirps wieder halbwegs gut und wir müssen nur noch zur Physiotherapie damit er wieder lernt zu laufen.

Neues Update: Physiotherapie beginnt nun am 27. und wird 1x wöchentlich für 10 Wochen stattfinden. Heute waren wir auch das erste mal (extra um 18 Uhr) auf dem Spielplatz. War schön leer und Sammy konnte in aller Ruhe spielen. Hat er wirklich toll gemacht! Ich bin so stolz auf mein kleines Monsterchen.

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